Kunst Raum Riehen

Le charme indiscret. Vanessa Billy, Gina Folly, Jan Kiefer, Francisco Sierra

30.09. - 05.11.2017

Die Gruppenausstellung im Herbst führt Vertreter einer jungen international wirkenden Kunstszene zusammen, die sich so zum ersten Mal in einer Ausstellung begegnen, in welcher sowohl das spezifisch Eigene, wie auch das unvermeidlich Gemeinsame zur Darstellung gelangen.

Konzeptuelles Denken, die Beschäftigung mit alltäglichen Materialien, Alltagsgewohnheiten und gesellschaftlichen Phänomenen, sowie der indiskrete Charme einer hintergründigen, jedoch humorvollen Zeitkritik erweisen sich dabei, trotz Verschiedenheit in der künstlerischen Praxis, als das überwiegend Gemeinsame der künstlerischen Arbeiten.

Konzeptuelle Implikationen von materiellen Prozessen zeichnen die künstlerische Praxis von Vanessa Billy (*1978 in Genf, lebt in Zürich) aus. Damit werden nicht nur Recherchen zur Skulptur, zu Themen wie Transformation und Recycling, sondern auch zu kulturellen Verwendungen natürlicher Ressourcen betrieben. Die Umwandlung alltäglicher Dinge, spekulative Reaktionen auf aktionistisches Verhalten des Mensch/Technik-Gespanns, sowie die vermeintliche Beeinflussung menschlichen Denkens und Handelns durch die Technik geraten dabei ins Zentrum der künstlerischen Untersuchungen.

Gina Folly's (*1983 in Zürich, lebt in Basel) künstlerisches Schaffen (Zeichnung, Fotografie, Installation und Skulptur) handelt von den Auswirkungen kultureller und gesellschaftlicher Veränderungen auf Alltagsrealitäten, Gewohnheiten und Selbstverständnis des Einzelnen. Diese können sich in der Beziehung zum eigenen Körper oder sozioökonomisch bedingt, in der Beziehung zwischen Arbeits- und Lebensräumen manifestieren. Dabei werden Objekte und Symbole soziokultureller Phänomene adaptiert und transformiert, Pflanzen und Tiere, Töne und Düfte zu wichtigen Bestandteilen der Arbeiten.

Jan Kiefer's (*1979 in Trier, lebt in Basel) konzeptuell angehauchte Arbeiten (Malerei, Skulptur, Installation) setzen sich mit Alltag und Alltagsgewohnheiten, mit gesellschaftlichen Phänomenen und Normen, mit Handwerk, modernen Kulten und mit der eigenen Biografie auseinander. Mittels vertrauter, oft banaler Symbole aus teils. rohen Baumaterialien, respektive in klassischer Malerei-, Display- oder Art-nouveau-Ästhetik, oszillieren sie humorvoll, jedoch unverstellt zwischen Kitsch, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gebrauchsgegenstand und inszeniertem Kunstwerk, muten sie minimalistisch oder abstrakt an.

Der ausgebildete Musiker (Violine) und autodidakte Maler Francisco Sierra (*1977 in Santiago de Chile, lebt in Cotterd/Waadt), bedient sich einer persönlichen Bildsprache, in welcher die Dingwelt, Objekte, Alltagsgegenstände und Landschaften eine "reizvolle", traumhafte Überhöhung erfahren. Seiner handwerklich virtuos ausgeführten, fotorealistisch bzw. hyperrealistisch anmutenden Malerei gehen krude Tonmodelle voraus, die er zweidimensional monumental hervorhebt und mit mehrdeutigen Zeichnungen und surrealem, unverfälschten Humor bespickt. In der vordergründig spielerisch daherkommenden Doppeldeutigkeit der karikaturhaften, Grotesken-ähnlichen, obskuren Motive offenbart sich Abgründiges, humorvolle Geschmacksgrenzen-Überschreitung oder Unbehagen, charmant ironische Zeitkritik.

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Foto: Claudio Cassano
Foto: Claudio Cassano